Yes, yes, yes: Seit letztem Jahr produzieren wir Erklärfilme für die digitale Lernplattform des Jüdischen Museums Berlin. Ab jetzt dürfen wir sie stolz zeigen. Ready für Baywatch Moses und Party Ester?
Der Auftrag
Anfang März 2025 ist das Jüdisches Museum Berlin (JMB) mit dem sehr spannenden Bildungsangebot JMB di.kla für Schüler*innen live gegangen. In interaktiven Lerneinheiten können Lehrkräfte ihren Schüler*innen jüdische Kultur näherbringen. Denn obwohl sie ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft ist – was wissen wir über jüdische Feste und Bräuche? Wie vertraut sind wir mit der hebräischen Sprache und was genau verstehen wir eigentlich unter Antisemitismus? Das JMB klärt auf. Besser gesagt, es lässt aufklären.
Die Namensgeberin der Plattform, Dikla, führt Lehrkräfte und Schüler*innen unterhaltsam durch verschiedene Themen jüdischer Gegenwart und Vergangenheit. Dabei werden Objekte untersucht, Bilder interpretiert, Audios analysiert u.v.m. Wir hatten die große Freude, das JMB nicht nur bei der Produktion von Audios zu unterstützen. Innerhalb jeder Lerneinheit gibt es ein kurzes Video, das niedrigschwellig und kurzweilig Wissen vermittelt. Eine besondere Rolle kommt dabei den historischen Objekten zu, die ja schließlich einen Museumsbesuch ausmachen. Unsere Aufgabe war es (vereinfacht gesagt), den Geschichten, die sich um diese Objekte ranken, Leben einzuhauchen.
Das Konzept
Workshop-Modus: Vorbereitung ist alles
In unserem Story Workshop mit dem JMB haben wir herausgearbeitet, welches Vermittlungsziel die Filme innerhalb der Plattform haben sollen. Ein besonderer Fokus lag dabei auf den Kernbotschaften. Denn wir wussten: Jeder Film darf in etwa eine Filmlänge von 1,5 bis 2 Minuten haben, muss aber auch außerhalb der Plattform ohne weiteren Kontext funktionieren. Damit diese Prägnanz gelingen kann, muss die Botschaft jedes einzelnen Films von Anfang an klar herausgearbeitet und abgegrenzt werden. Also haben wir das gemacht.
Die Botschaften benötigen Anknüpfungspunkte an die Bedürfnisse der Zielgruppen. Die Filme sollen Schüler*innen ansprechen, sie in ihrer Realität abholen und das bitte ohne Cringe-Momente. In zweiter Priorität sind Lehrkräfte Zielgruppe, denn ohne sie kommen die digitalen Lerneinheiten nicht an die Schüler*innen. Gelangen die Inhalte einmal dahin, wo wir sie haben wollen, müssen sie für Schüler*innen relevant sein, um Interesse zu wecken. Darum haben wir in der Workshop-Phase pro Film Identifikationspotenziale für die Zielgruppen erarbeitet: Welche Ebene des Films, welche Fakten, welche Geschichten berühren die Lebenswelt der Zielgruppe? Jap, das klingt nicht nur viel für einen Workshop, das war es auch. Zum Glück konnten wir uns tipptopp darauf verlassen, dass das JMB seine Hausaufgaben macht. Bis hin zu perfekt vorbereiteten Manuskripten als Ausgangsbasis für unsere Filmskripte.
Storytelling-Konzept: die perfekte Rezeptur finden
Es ist sicher keine Überraschung: Der Design Guide des JMB lässt die Herzen von Art Direktor*innen höherschlagen. Von der markanten Typografie bis zur leuchtenden Farbpalette. Ja, wir waren absolut gierig auf das Projekt. Wer will uns das verübeln? Jedem der fünf Filme, die zum Start der Plattform fertig sein sollten, haben wir eine Grundfarbe zugeordnet und von dort aus aufgebaut. Da wir historische Objekte einbinden sollten, war klar, dass wir im Collagen-Stil arbeiten werden. Da wir die verwöhnten Synapsen von Schüler*innen glücklich machen wollten, war ebenso klar, dass wir mit humorvollen Interpretationen, mit zeitgeistigen Übertreibungen, mit viel Action und schnellen Cuts arbeiten wollen. Konzeption war hier Key. Unser Creative Director Motion Design Leo Rey hat einen Stil gewählt, der nicht auf aufwändige Animationen angewiesen ist, um eine Story effektvoll zu erzählen. Unsere Creative Director Illustration Karolin Nusa wiederum hat mit den charmantesten Interpretationen noch die historischsten Figuren und Objekte greifbar ins Hier und Jetzt befördert. Auf der Textebene erlauben wir uns einen entspannten Ton, der der Zielgruppen ein High Five gibt, aber keinen Facepalm. Mit dem JMB hatten wir einen Kunden, der die Zwischenstände immer wieder mit der Zielgruppe testen konnte und wollte. Für uns das wertvollste Feedback.
Eine willkommene Herausforderung war die Bandbreite der Themen: von Partylaune an Purim und Pessach bis zur ernsten Aufklärung über Antisemitismus. Beim ernsten Thema haben wir den Humor behutsam ins Zynische gedreht, die Bildwelt ins Bedrohliche schwappen lassen und vor allem auf der Sound-/Musik-Ebene lieber eine Extrarunde gedreht, um das beschwingte musikalische Thema adäquat zu dämpfen.
Und wo wir bei Herausforderungen sind: Die Zeit, die Zeit … ist uns in so gut wie jedem Projekt eng auf den Fersen. Umso dankbarer sind wir für unser Projektmanagement: Leo Merkel hatte alle fünf Filme gleichzeitig im Blick, sodass wir immer wussten, wo wir stehen. Und der Kunde auch.
Das Ergebnis
Wir haben das JMB nicht nur mit fünf Filmen unterstützt, sondern auch mit dem Schreiben, Vertonen und der Postproduktion für Audiobeiträge. Aber klar, besonders stolz sind wir, wenn es hier absolut etwas zu sehen gibt. Also schaut doch direkt mal rein! In unsere Filme und die Plattform JMB di.kla.
Der Blick in die Zukunft
Aktuell erstellen wir ein Video-Tutorial, das Lehrkräften die Highlight-Funktionen der Plattform vorstellt. Außerdem freuen wir uns auf mindestens zwei weitere Filme, die wir für kommenden Lerneinheiten erstellen dürfen.
Das Dreamteam für die Videoreihe
Man könnte meinen, wir vergeben das Prädikat „Lieblingskunde“ leichtfertig, aber wir haben eben einfach Glück und bedanken uns ganz besonders bei euch, Heiko Niebur, Ariane Kwasigroch, Judith Ostermeier, David Studniberg und Diana Dressel vom Jüdischen Museum Berlin. Wir können euch als Kunden von Herzen empfehlen, machen wir aber nur ungern, weil wir am liebsten selbst mit euch arbeiten wollen. Und das ja zum Glück auch noch tun.
Tobias Mory – Projektleitung
Leo Merkel – Projektmanagement
Regine Hähnel – Creative Direction, Skript
Karolin Nusa – Creative Direction Illustration
Jill-Lisa Senkowski – Illustration
Patrick Wagner – Typografie
Leo Rey – Creative Direction Motion Design
Patrick Wolter – Motion Design
Nikolaus Radeke – Sprachaufnahmen
Jenny Löffler – Sprecherin (Voice-over DE)
Ulrich Blöcher – Sprecher (Voice-over & Audio DE)
Katja Steuer – Sprecherin (Audio DE)
Gina May Walter – Sprecherin (Voice-over & Audio EN)
Daniel Brunet – Sprecher (Voice-over und Audio EN)
Otamo Tipa – Sprecher (Audio DE/EN)
Philipp Koller – Musik und Sounddesign
Uwe Bossenz – Musik und Sounddesign
Mehr davon?
Darf es etwas mehr sein als ein Erklärvideo? Am liebsten eine Reihe? Haben wir nicht nur für das Jüdische Museum produziert. Schau doch mal unsere Mini-Serie zu den Folgen der globalen Regenwald-Zerstörung für das Museum Koenig Bonn an. Oder unsere Animationsfilmreihe für „Stolen Memory“ der Arolsen Archives. Ein weiterer Oldie but Goldie: unsere Video-Reihe „One Constitution für Syria“ für das Europäische Zentrum für Kurdische Studien. Ooooder unsere Nachhaltigkeits-Serie für WirBERLIN. Wen Mikrofluidik bisher nicht dein Ding ist, mit dieser Filmreihe könnte es das noch werden. Wir könnten fortfahren … am liebsten aber mit deinem Projekt! Womit wollen wir gemeinsam in Serie gehen?